Vor gut einer Woche fragte mich eine Freundin: „Wieso stehen auf Deiner Praxis-Website denn keine Erfolgsberichte und Zitate von zufriedenen Klienten?“ Man sähe sie doch schließlich überall: Menschen, die berichten „Dank der Behandlung habe ich 30 Kilo abgenommen! Super gemacht, Frau X!“ oder „Nach nur einer Sitzung mit Hypnose Nichtraucher! Vielen Dank, Herr Y!“
„Wenn auf Deiner Website für Psychotherapie keine Zitate von begeisterten Klienten stehen, dann ist das doch schädlich für Dein Geschäft,“ sagte sie, und öffnete damit ein kleines Pandora-Döschen. Sicher könnte ich mit sehr vielen Zitaten und Dankesworte meiner Klientinnen und Klienten der letzten zehn Jahre aufwarten, aber gibt es einen triftigen Grund, diese Zitate nicht zu veröffentlichen: Das Gesetz verbietet es mir.
Nach dem Heilmittelwerbegesetz nämlich ist es – vereinfacht dargestellt – untersagt, Aussagen wie die oben genannten zu veröffentlichen oder damit zu werben. Wenn also ein Herr X mir schreibt, wie angenehm er die Arbeit fand und wie zufrieden er ist, muss das unter uns bleiben. Selbst im direkten Gespräch mit potentiellen Neu-Klienten darf ich keine anderen Klienten zitieren, ganz gleich wie begeistert sie waren.
„Aber wieso finde ich denn dann trotzdem so viele Zitate auf anderen Websites? Verstoßen die nicht alle gegen dieses Gesetz?“ fragte meine Freundin weiter, und ich bat sie, genauer nachzusehen, wo diese begeisterten Kundenzitate standen. Und siehe da, sie waren ausschließlich auf Websites von nicht-therapeutisch arbeitenden Coaches oder psychologischen Beratern zu finden, und immer bezogen sie sich auf Themengebiete, bei denen eine tatsächlich psychotherapeutische Behandlung nicht unbedingt indiziert war. Diese Anbieter sind, weil sie nicht therapeutisch arbeiten, nicht ans Heilmittelwerbegesetz gebunden, deshalb dürfen sie mit Fug und Recht Kundenmeinungen veröffentlichen.
Als Coach also darf ich ohne weiteres Zitate meiner Kunden veröffentlichen, doch sobald ich auch nur ein einziges Zitat eines Therapie-Patienten publik mache und damit direkt oder indirekt werbe, muss ich damit rechnen, dass mir ein Fax vom Gesundheitsamt, eine (teure) Abmahnung oder gar eine Anzeige ins Haus flattert.
Abgesehen davon: Nur weil 999 Leute Lakritz-Eiscreme lieben, muss das beleibe nicht heißen, dass auch der 1.000ste sie mag. Und wenn ich hier 100 Zitate zufriedener Klienten abdrucken würde, wäre das keinerlei Anhaltspunkt dafür, ob auch Sie mit der gemeinsamen Arbeit zufrieden wären. Eine Sammlung von Kundenstimmen, begeistert oder nicht, ist am Ende nicht viel wert, denn natürlich werden die negativen Kommentare – von denen natürlich kein Coach oder Therapeut verschont bleibt – niemals veröffentlicht. (Ganz abgesehen von der Unmöglichkeit, die Echtheit solcher Zitate zu überprüfen.) Der Nutzen geht immer gegen Null.
Das alles berichtete ich der Freundin, und sie verstand: „Dann ignoriere ich am besten die Kundenzitate? Und wie soll ich rausfinden, ob der Coach oder Therapeut zu mir passt?“ — „Ganz einfach,“ sagte ich. „Rufe an, fühle dem Herrn oder der Dame auf den Zahn, und vertrau auf Deinen Bauch, wenn Du Dich entscheidest.“
Sie atmete auf und lächelte.